Das Weltkonservatorium für Chasselas


Im Chasselas-Konservatorium in Rivaz ist keine einzige Traube mehr zu sehen.
So, die Weinlese ist nun vorbei – oder fast! Die wenigen Trauben, die noch an den Reben hängen, reifen weiter und beginnen langsam einzutrocknen. Spät gelesen ergeben sie Weine mit einem höheren Zucker- und Alkoholgehalt.
Ich liebe dieses kleine Paradies. Nicht nur wegen der herrlichen Aussicht, sondern auch wegen dieser aussergewöhnlichen kleinen Parzelle. Auf 4’500 m² kann man die 19 wichtigsten Biotypen des Chasselas entdecken und ihre Unterschiede bewundern: die Grösse der Beeren, das Laub, die Farbe …
Das 2008 von Louis-Philippe Bovard aus Cully ins Leben gerufene Projekt soll die Öffentlichkeit für die biologische Vielfalt dieser «Königsrebsorte» und ihre bedeutende Rolle in der Geschichte des Genferseebeckens sensibilisieren.
Vor jeder Rebe steht eine Tafel mit der Bezeichnung ihrer jeweiligen Besonderheit – etwa der Farbe beim roten oder violetten Chasselas. Der Chasselas muscaté zeichnet sich durch sein aromatisches Profil aus. Der Name Chasselas giclet bezieht sich auf eine Beere, die unter Druck aufplatzt, statt sich wie beim Fendant zu spalten. Manche morphologischen Merkmale lassen sich mit blossem Auge erkennen, etwa beim tetraploiden Chasselas, der zufällig entstanden ist und über zwei Chromosomensätze verfügt.

Seit 1’000 Jahren ist der Chasselas im Kanton Waadt heimisch. Seine grosse klonale Vielfalt ist im Laufe der Jahrhunderte durch natürliche, gezielte oder zufällige genetische Mutationen entstanden.
Eine Informationstafel stellt die wichtigsten Merkmale jedes Klons anschaulich vor. (Texte in drei Sprachen: Jean-Laurent Spring, Agroscope.)

Seit 2017 gibt es eine weitere Sammlung der wichtigsten Biotypen auf dem Weingut Domaine la Colombe von Laura und Raymond Paccot. Sie befindet sich in der Parzelle von Mont-sur-Rolle und soll helfen, die Auswirkungen des Klimas auf die Rebsorte und das Terroir zu messen.
Die Wine-Tour «Vini’filles» an der La Côte, angeboten von Passionnément’vin in seinem Onlineshop für Geschenkboxen, lädt Sie ein, dieses Konservatorium im Rahmen Ihres Erlebnisses zu entdecken.
Mehr erfahren +: https://passionnement-vin.secretbox.ch/vini-filles-sur-la-cote.html

Als Tafeltraube bekannt, wird der Chasselas auf rund 40’000 Hektar angebaut in Frankreich (im Loiretal, im Elsass und im Südwesten), aber auch in Deutschland, Rumänien und dem ehemaligen Jugoslawien sowie in Nordafrika, Chile und Neuseeland.
In der Schweiz hat der Chasselas sein bevorzugtes Terroir gefunden und wir haben vor, ihn hier zu behalten! Agroscope in Pully beherbergt die weltweit grösste Klonensammlung mit über 380 Chasselas-Klonen. Sein Erhalt ist heute gesichert.
Angel.




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